Esterwegen: Jugendliche machen Geschichte greifbar

Gastfamilien für kommenden Sonntag gesucht
Gut gelaunte Begrüßung in Esterwegen: Erster Samtgemeinderat Christoph Hüntelmann (hintere Reihe, links) und die Kulturamtsleiterin des Emslandes, Andrea Kaltofen (hintere Reihe, 2. v.l.) hießen die Jugendgruppe willkommen.

andi Esterwegen. Sie sind gekommen, um für den Frieden zu arbeiten: 19 Jugendliche aus sechs Ländern, die an einem Workcamp auf dem ehemaligen KZ-Gelände in Esterwegen teilnehmen. Hier helfen sie zehn Tage lang bei Ausgrabungen der alten Lagerstruktur. Gestern ist die Gruppe offziell im Rathaus der Samtgemeinde Nordhümmling begrüßt worden.

"Wir wissen alle, wie viel menschliches Unrecht unter der Nazi-Gewaltherrschaft geschehen ist", sagte der Erste Samtgemeinderat Christoph Hüntelmann während des Empfangs, "das darf und soll nicht vergessen werden, auchund gerade wenn es um die jüngeren Generationen geht." Hüntelmann betonte, dass im Workcamp neben der gemeinsamen Arbeit auch das Reden und Feiern dazu gehört, um sich über alle Unterschiede hinweg gut zu verstehen.

Organisiert wurde dieses Workcamp vom Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge und dem Landkreis Emsland. Als Vertreterin des Landkreises begrüßte Kulturamtsleiterin Andrea Kaltofen die Gäste. "Wir wollen Geschichte zum Anfassen machen", sagte sie. Das könne man fast nicht besser als durch Arbeit vor Ort.

Den Aufbau der Gedenkstätte Emslandlager begreift Kaltofen als Prozess, in den gern auch Anregungen von außen aufgenommen werden. "Ich freue mich drauf, mich euch während der Arbeit ins Diskutieren zu kommen", fügte sie hinzu, bevor sie sich bei der Gemeinde Esterwegen und auch bei Pfarrer Josef Danne als Vertreter der Kirchengemeinde für die gute Zusammenarbeit während der Workcamps bedankte.

Die Jugendlichen, die aus Russland, der Ukraine, Bulgarien, Moldawien, Polen und Deutschland kommen, bedankten sich für den herzlichen Empfang. Sie seien stolz, dass sie etwas mitbewegen könnten, sagte der 20jährige Radmir aus Russland. Er hat von seiner Deutschlehrerin von dieser Möglichkeit erfahren, einmal nach Deutschland zu kommen. "Es sind unglaublich viele Eindrücke", so Radmir, "bisher gefällt es mir sehr gut". Für die 17jährige Janitsa aus Bulgarien ist es schon das fünfte Workcamp dieser Art. "Es ist toll, so einen Geschichtsunterricht zu haben", sagte sie.

Traditionell verbringen die Teilnehmer des Workcamps einen Sonntag bei Familien in und um Esterwegen. Wer Lust hat, den 10. August mit internationalen Gästen zu verbringen, kann sich im Pfarrbüro Esterwegen unter Telefon 05955 1237 melden.


Ems-Zeitung am 05.08.2008

Nächste Öffentliche Führung:

Von Februar bis Dezember an jedem 1. Sonntag im Monat um 11:00 Uhr und 15:00 Uhr.
Eine Anmeldung für Einzelbesucher ist nicht erforderlich.