„Gelände soll durch Schlichtheit überzeugen“

Erstes Konzept für Gedenkstätte auf Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Esterwegen

vb Esterwegen.

Der Landkreis Emsland plant auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrations- und Strafgefangenenlagers Esterwegen die Einrichtung einer zentralen Gedenkstätte für die Häftlinge der 15 so genannten Emslandlager (wir berichteten). Gestern stellten Kultur-Fachbereichsleiterin Dr. Andrea Kaltofen sowie Landrat Hermann Bröring ein erstes Gestaltungskonzept vor.

„Das Gelände muss durch seine Schlichtheit überzeugen“, betonte Bröring. „Dazu gehört die Darstellung zentraler Elemente des Lagers, insbesondere die Monotonie der Häftlingsbaracken, die mehrfach überbaute Lagerstraße, das Innen- und das Außentor sowie Lagermauer und Wachtürme.“ Geplant sei zudem die Errichtung eines Besucherzentrums, das zusammen mit dem Dokumentations- und Informationszentrum Emslandlager (DIZ) in Papenburg die Geschichte vermitteln soll.

Eine Rekonstruktion des Lagers komme aufgrund der bundesweit einheitlichen Gedenkstättenarbeit nicht in Betracht. „Deshalb soll mithilfe einer fünfköpfigen Kommission mit international anerkannten Fachleuten aus der Gedenkstättenarbeit und einem begleitenden Beirat jetzt bis Ende 2006 ein detaillierter Gestaltungsvorschlag für diese zentralen Elemente der Gedenkstätte erarbeitet werden“, gab der Verwaltungschef eine „allerdings noch nicht endgültige“ Zeitschiene für die weiteren Planungen vor.

Eine Umsetzung ist nach Brörings Aussage aber nur möglich, wenn für die Realisierung auch Landes- und Bundesmittel zur Verfügung stehen – bislang hat der Landkreis für Vorarbeiten rund 100000 Euro ausgegeben. „Trotz der bereits vorhandenen und wichtigen Gedenkstätten, des Holocaust-Mahnmals in Berlin und der zentralen Gedenkstätte des Landes Niedersachsen in Bergen-Belsen darf Esterwegen nicht vergessen werden.“

Eine besondere Bedeutung wird hierbei nach Aussage der Fachleute auch der Rolle des Lagers Esterwegen für die so genannten „Nacht-und-Nebel-Gefangenen“ zukommen. „Die Situation der politischen Häftlinge, die 1943 heimlich – bei ‚Nacht und Nebel‘ – aus westeuropäischen Ländern nach Deutschland verschleppt worden sind, ist bisher noch kaum erforscht“, erläuterte Dr. Kaltofen. Aus dieser Inhaftierung werde Esterwegen neben der besonderen nationalen Bedeutung als eines der ersten Konzentrationslager in nationalsozialistischer Zeit auch eine besondere internationale Bedeutung in der NS-Lagergeschichte zugewiesen.

Das Lager in Esterwegen durchlief dabei bis in die Gegenwart insgesamt fünf Stationen – es war in der NS-Zeit von 1933 bis 1936 Konzentrationslager und später Strafgefangenenlager. Nach Kriegsende inhaftierten die Alliierten hier deutsche Kriegsverbrecher, später diente es als Durchgangslager für Flüchtlinge und als Bundeswehrdepot. „Deshalb ist vor Ort auch praktisch keine Originalsubstanz aus der NS-Zeit mehr vorhanden“, erläuterte Dr. Kaltofen das noch „offene Konzept“.

Weitere wissenschaftliche Ergebnisse sollen demnach kontinuierlich in die Studie eingearbeitet werden. Neben weiteren Work-Camps für Jugendliche soll daher im Sommersemester 2005 auch ein erster landschaftsplanerischer Gestaltungs-Workshop von Studenten der Universität Hannover durchgeführt und die Ergebnisse anschließend diskutiert werden.

Im Konzentrations- und Strafgefangenenlager Esterwegen trennte dieses Innentor die Wachen von den Inhaftierten. Als zentrales Element soll dieses Gebäude im Rahmen der geplanten Gedenkstätte für die Häftlinge der 15 Emslandlager dargestellt, aber nicht rekonstruiert werden.

Nächste Öffentliche Führung:

Von Februar bis Dezember an jedem 1. Sonntag im Monat um 11:00 Uhr und 15:00 Uhr.
Eine Anmeldung für Einzelbesucher ist nicht erforderlich.