Neues Koster in KZ-Gedenkstätte

Franziskanerinnen künftig in Esterwegen

Osnabrück. Den Onkel der niederländischen Ordensfrau Jacintha Altenburg haben deutsche Soldaten im Zweiten Weltkrieg erschossen. Dennoch hat sich die 67-Jährige freiwillig für eine Aufgabe gemeldet, die mit der Zeit des Nationalsozialismus zu tun hat: Mit drei anderen Schwestern der Franziskanerinnen von Münster-St. Mauritz zieht sie voraussichtlich im Herbst in ein neues Kloster. Es entsteht auf dem Gelände des früheren Konzentrationslagers Esterwegen im Emsland.

Das Bistum Osnabrück wird dafür einen Verwaltungsbau des früheren Bundeswehrdepots mieten oder pachten und es zum Kloster umbauen. Der Generalvikar des Bistums, Theo Paul, hatte die Franziskanerinnen angesprochen.
Paul will mit der neuen Gebetsstätte einen Beitrag gegen Gleichgültigkeit und Vergessen leisten. Es geht nach den Worten des Generalvikars "um einen Ort absichtsloser Präsens, wohin Menschen mit ihren Eindrücken, ihrer Ohnmacht, ihrer Klage und ihren Fragen kommen können".

Die Ordensfrauen werden in Esterwegen "einen Ort der Stille, des Gesprächs und des Gebets" anbieten, wie die Oberin der deutschen Provinz der Franziskanerinnen von Münster-St. Mauritz, Birgitte Hermann, ankündigte. "Wir verstehen den Dienst als heilenden Dienst", erklärte sie. Den Ordensfrauen sei dabei durchaus bewusst, dass sie die grausame Vergangenheit nicht wieder gutmachen könnten.
Die Schwestern stehen künftig für Gespräche mit Besuchern bereit, die sich aussprechen möchten. Denkbar sind auch Diskussionen beispielsweise für Schulklassen. In ähnlicher Form wie demnächst in Esterwegen leben bereits Karmelitinnen im Umfeld der KZ-Gedenkstätten Auschwitz, Dachau und Berlin-Plötzensee.

Das neue Kloster wird in Abstimmung mit dem Landkreis Emsland errichtet. Ihm gehört das rund sieben Hektar große Gelände. Anfang Mai hatte der Landkreis in Esterwegen mit dem vorläufigen Gedenkstättenbetrieb begonnen.
Landrat Hermann Bröring begrüßte die Initiative der Kirche. Er betonte gestern in Meppen, die Gedenkstätte bekomme durch das Kloster "eine neue Qualität".
Bröring erhofft sich von den Ordensfrauen auch Hinweise "was denn eigentlich die Besucher bewegt". Dies sei für die ständige Weiterentwicklung des Gedenkstättenkonzeptes von elementarer Bedeutung. Mit dem Bistum Osnabrück habe der Landkreis neben dem Dokumentations- und Informationszentrum (DIZ) Emslandlager einen weiteren Partner.

Das KZ Esterwegen wurde im Sommer 1933 als eines der ersten Konzentrationslager in Deutschland errichtet. Zunächst wurden hier NS-Gegner inhaftiert. Dazu gehörten der Publizist und spätere Nobelpreisträger Carl von Ossietzky (1889-1938) und der SPD-Politiker und als NS-Widerstandskämpfer hingerichtete Julius Leber (1891-1945). Von 1937 an wurden in der "Hölle in Moor" Strafgefangene festgehalten.

aus: Meppener Tagespost vom 29.06.2006

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