„So werden wir dem Elend dieser Baracken nicht gerecht“

df Esterwegen. Grashalme wiegen sich im Wind, Vögel zwitschern: Nichts deutet auf die Verbrechen hin, die einst im ehemaligen Konzentrations- und Strafgefangenenlager Esterwegen begangen worden sind. Der Ort der Qual und des Mordens hat kaum Spuren an der Oberfläche hinterlassen. Wie dennoch an die Geschichte erinnert werden soll, erläuterte jetzt Dr. Andrea Kaltofen der SPD-Kreistagsfraktion bei einem Besuch auf dem Gelände.

Kaltofen ist Geschäftsführerin der Stiftung, die bis Ende 2011 auf dem ehemaligen KZ-Gelände eine Gedenkstätte für die insgesamt 14 Emslandlager errichten will. Bewusst habe man sich dagegen entschieden, das Lager einfach nachzubauen. „So werden wir dem Elend dieser Baracken einfach nicht gerecht“, erläuterte Kaltofen etwa mit Blick auf die spärlichen Wohnunterkünfte der Lagerinsassen. Stattdessen solle angedeutet werden, wo einst welche Gebäude standen.
Vollzogen worden ist dieser Schritt des Andeutens bereits bei der Lagerstraße, die das Gelände in zwei Hälften teilt. An vielen Stellen klaffen Löcher in der Pflastersteindecke. „Das sind keine Schlaglöcher, sondern Zeitfenster“, so Kaltofen, denn unter den Pflastersteinen, die in der Nachkriegszeit verlegt worden sind, kommt der Straßenbelag zum Vorschein, auf dem auch schon die KZ-Gefangenen täglich gelaufen sind.

In drei Etappen soll die Gedenkstätte für insgesamt 5,64 Millionen Euro fertiggestellt werden, erläuterte Kaltofen den Politikern, unter denen sich auch Keno Borde, SPD-Bundestagskandidat für den Wahlkreis Unterems, sowie SPD-Bundestagsmitglied Dieter Steinecke befanden. Der erste Bauabschnitt sei bereits eingeleitet und solle noch in diesem Jahr fertiggestellt werden. So solle das Gelände gestaltet werden, ohne dass es plastisch rekonstruiert werde.

Diesem Anspruch fallen andere historische Zeugnisse zum Opfer. Nach dem Zusammenbruch des Nationalsozialismus wurden im Lager Esterwegen unter anderem Flüchtlinge aus dem Osten untergebracht. „Die Protestanten errichteten sich aus Holz eine eigene Kirche“, berichtete Kaltofen. Überreste konnten bei archäologischen Grabungen wiederentdeckt werden, werden aber nicht in die Außenanlage integriert.

„Wir werden die Mehrschichtigkeit des Geländes nicht thematisieren“, stellte Kaltofen klar. Möglich sei aber, die weiteren Kapitel des Lagers in eine Dauerausstellung zu integrieren. Laut Kaltofen wird das Dokumentations- und Informationszentrum (DIZ) von Papenburg nach Esterwegen in eines der ehemaligen Gebäude der Bundeswehr, die sich unmittelbar neben dem Lagergelände befinden, umziehen.

Bevor es so weit ist, wird zunächst in einem zweiten Schritt eine Besucherinformation eingerichtet. „Niemand soll allein auf das Gelände gehen“, so Kaltofen über den Zweck. Auf Nachfrage bestätigte sie, dass etwa die Anschaffung elektronischer Rundführer angedacht sei, die die Besucher über das Gelände leiteten und mit Informationen versorgten.

„Ende 2011 soll das Projekt fertig sein“, sagt Kaltofen über den nach ihrer Meinung „mutigen Zeitplan“. Bis dahin finde ein „vorläufiger Gedenkstättenbetrieb“ statt. Der Prozess des Umbaus solle transparent gestaltet werden, sodass auch während der Maßnahmen Führungen angeboten würden.

Nächste Öffentliche Führung:

Von Februar bis Dezember an jedem 1. Sonntag im Monat um 11:00 Uhr und 15:00 Uhr.
Eine Anmeldung für Einzelbesucher ist nicht erforderlich.