Wir sind ein Teil der Geschichte

3. Internationales Jugendworkcamp in Esterwegen geht zu Ende - Gedenkfeier

vb Esterwegen. "Selbst wenn unsere Kulturen und Sprachen unterschiedlich sind. Wir haben hier eine Einheit gebildet - und das, weil wir ein gemeinsames Ziel haben: Arbeit für den Frieden". Mit diesen Worten fasste Olga Popanu aus Moldawien ihre Erlebnisse beim 3. Internationalen Workcamp auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrations- und Strafgefangenenlagers Esterwegen zusammen.

"Hier wurde uns bewusst, dass wir ein Teil der Geschichte sind. Und das Kennen der Vergangenheit ist der Weg zu einer besseren Zukunft. Es wurde uns bewusst, dass Frieden und Freiheit grundlegende Werte sind", berichtete die 22-Jährige am Mittwochabend auf der Gedenkfeier auf dem ehemaligen Lagerfriedhof vor gut 100 Besuchern.

19 Jugendliche aus Russland, Moldawien, Polen, Bulgarien, der Ukraine und Deutschland haben in den vergangenen zwei Wochen auf dem Gelände des ehemaligen Lagers und der im Aufbau befindlichen "Gedenkstätte Emslandlager" gearbeitet, Fundamente von zwei ehemaligen Wachtürmen freigelegt, Zeitzeugen getroffen, sich mit Geschichte beschäftigt und neue Freunde gefunden. "Besser hätte ich diese zwei Wochen meiner Sommerferien nicht verbringen können. Es ist ein wirklich tolles Gefühl, dabei zu helfen, hier eine Gedenkstätte aufzubauen", lautete denn auch das Fazit der 17-jährigen Julke zur Borg aus Quakenbrück.

Als ein "gegenseitiges Geben und Nehmen" bezeichnete die Kulturamtsleiterin des Landkreises Emsland und designierte Geschäftsführerin der Gedenkstättenstiftung Dr. Andrea Kaltofen, das dritte Workcamp in Zusammenarbeit mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge: "Sie legen für uns Teile des ehemaligen Lagers frei und erhalten dafür Wissen und Erfahrungen sowie Freundschaften, die hoffentlich noch lange Bestand haben werden."

Wissen und Erfahrungen - diese spiegeln sich auch auf den Leinwänden wider, die die Teilnehmer gestaltet und in der Waldschule Esterwegen aufgehängt hatten: Nach der Gedenkfeier haben die Jugendlichen ihre Gäste, darunter den Volksbund-Landesvorsitzenden und ehemaligen Landtagspräsidenten Prof. Rolf Wernstedt, zu einem Empfang und einen Nationalitätenabend eingeladen. Auf diesen Leinwänden findet sich neben den Lebensläufen verschiedener Häftlinge auch die Frage "Was ist für dich Geschichte". Die Antwort eines Teilnehmers: "Geschichte sind für mich die Fehler, die wir nicht wiederholen müssen." Eine politische, soziale und historische Bildung zu vermitteln, die derartige Antworten erst ermöglicht, ist laut Dr. Kaltofen Aufgabe eines solchen Camps.

"Es war einfach toll zu sehen, wir schon nach wenigen Tagen Menschen aus verschiedenen Ländern, die nicht einmal die gleiche Sprache sprechen, miteinander diskutieren, gemeinsam Volleyball spielen oder auf dem Gelände miteinander arbeiten", dankte Campleiterin Gudrun Janzer abschließend allen Teilnehmern und Unterstützern.

Meppener Tagespost am 15.08.2008

Nächste Öffentliche Führung:

Von Februar bis Dezember an jedem 1. Sonntag im Monat um 11:00 Uhr und 15:00 Uhr.
Eine Anmeldung für Einzelbesucher ist nicht erforderlich.