Zentrale NS-Gedenkstätte in Niedersachsen eröffnet

ESTERWEGEN. Als ein Mahnmal gegen Terror, Verbrechen, Verfolgung und Gewalt ist am Montag in Esterwegen die Gedenkstätte an die 15 emsländischen Konzentrations- und Strafgefangenenlager eröffnet worden. Der neugeschaffene Erinnerungsort setze bundesweit Maßstäbe, sagte der Staatsminister für Kultur und Medien, Bernd Neumann (CDU). Gedenkstätten seien wichtig, die Erinnerung an die Schrecken des Nationalsozialismus über den Tod der letzten Zeitzeugen hinaus wach zu halten, sagte Neumann. „Die Stimmen derjenigen, die unter dem nationalsozialistischen Terror gelitten haben, werden durch die Ausstellung in Esterwegen dauerhaft die authentische Erinnerung an die Schrecken dieser Diktatur erhalten“, betonte er. An der Eröffnungsveranstaltung nahmen 13 frühere Häftlinge und zahlreiche Angehörige und Hinterbliebene aus Dänemark, Belgien und Deutschland teil.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann verletzte sich bei der Eröffnung am Bein. Das bestätigte ein Sprecher des Landkreises Emsland. Neumann war auf einem Rundgang offenbar gegen eine Vitrine geprallt und zog sich eine etwa zehn Zentimeter lange, stark blutende Wunde zu. Sanitäter kümmerten sich um den Verletzten und transportierten ihn auf einer Liege ab. Die Wunde sollte anschließend in einem Krankenhaus genäht werden.

Unterdessen würdigte auch Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) die Bedeutung der Gedenkstätte. „Erinnern ist eine wesentliche Voraussetzung für eine Zukunft in Frieden“, sagte er. Die Gedenkstätte Esterwegen solle daher ein Ort des Erinnerns, Gedenkens und Lernens sein. Menschenrechte, Freiheit, Rechtsstaat und Demokratie seien nicht selbstverständlich, sondern müssten täglich gelebt werden.

Für die überlebenden Opfer sei Esterwegen ein wichtiger Ort der Erinnerung, sagte der aus dem belgischen Antwerpen angereiste Hendrik Verheyen. „Wir mögen die Erinnerung an Krieg und Besatzung nicht vergessen“, sagte er. Für die toten Kameraden gebe es jetzt einen Platz an dem Ort, an dem sie gelitten hätten. Verheyen gehörte zu den sogenannten Nacht- und Nebel-Gefangenen; Widerstandskämpfer, die die Nazis in den besetzten Ländern „bei Nacht und Nebel“ gefangen nahmen.

Die seit Sommer 1933 errichteten Emslandlager stünden am Anfang des KZ-Systems in Deutschland, sagte der Bochumer Historiker Bernd Faulenbach, der Vorsitzender des Stiftungsrats der Gedenkstätte ist. „Hier wurde das KZ-System schrittweise konstituiert“, erklärte er. Von dem Lagerpersonal seien einige später in führende Positionen in den Vernichtungslagern im Osten gekommen. Zu den Häftlingen hätten entschiedene Gegner der Nazis aus den Reihen der Arbeiterbewegung, der Sozialdemokraten, Gewerkschaften und Kommunisten, aber auch bürgerliche Politiker gehört. Er erinnerte unter anderem an den Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky. „Keine Frage: Ein Teil der demokratischen Elite dieses Landes war in diesen Lagern eingesperrt.“ Die oft katastrophalen Lagerbedingungen müssten noch genauer erforscht werden.

In den Emslandlagern waren seinen Angaben zufolge rund 70.000 KZ-Häftlinge und Strafgefangene sowie etwa 100.000 Kriegsgefangene eingesperrt. Rund 25.000 Menschen seien ums Leben gekommen, die meisten während des Krieges. Sie seien an den Folgen der katastrophalen Unterbringung, dur

Quelle: abendblatt.de, 31.10.2011

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